Artois Hound

Artois Hound
Artois Hound
  • Merkmale vom Artois Hound

  • FCI-Standard Nr.: 28
  • Herkunft: Frankreich
  • Größe: Rüden 53 - 58 cm, Hündinnen etwas kleiner
  • Farben: Tricolor: Schwarz, Weiß und Loh
  • Alter: 12 - 14 Jahre
  • Gewicht: 28 - 35 Kg

Herkunft und Geschichte

Der Artois Hound, auch Chien d’Artois genannt, ist eine traditionsreiche französische Laufhunderasse, die ihre Ursprünge im späten Mittelalter hat. Ursprünglich in der Region Artois im Norden Frankreichs beheimatet, entwickelte sich die Rasse aus den alten Normandie-Bracken und französischen Jagdhunden, die bereits im 14. Jahrhundert beschrieben wurden. Die Aufgabe des Artois Hounds bestand vor allem in der Jagd auf mittelgroßes Wild wie Hasen und Rehe, wobei er durch seine feine Nase, Ausdauer und Teamfähigkeit beeindruckte. Während der Zeit Heinrichs IV. und Ludwigs XIII. war der Artois Hound besonders populär im königlichen Jagdwesen. Sein kräftiger Körperbau, seine Beharrlichkeit und sein lautes, wohlklingendes Geläut machten ihn zu einem der gefragtesten Laufhunde jener Zeit. Im 19. Jahrhundert begann jedoch ein Rückgang der Population, da viele Züchter begannen, andere Rassen zu bevorzugen oder ihn mit englischen Foxhounds zu kreuzen, um schnellere Hunde für die Hetzjagd zu erzeugen. Dies führte zu einem fast vollständigen Verschwinden der reinen Linie des Artois Hounds. Erst im 20. Jahrhundert begannen einige engagierte Züchter mit der gezielten Wiederherstellung der ursprünglichen Rasse anhand historischer Aufzeichnungen und verbliebener Exemplare. Besonders in den 1970er-Jahren wurden Anstrengungen unternommen, den Artois Hound nach alten Standards zu rekonstruieren. Heute ist der Artois Hound wieder als eigenständige Rasse von der FCI anerkannt (Nr. 28) und wird als typischer französischer Laufhund in der Gruppe 6 geführt. Obwohl außerhalb Frankreichs relativ selten, wird er in seinem Ursprungsland weiterhin für die Parforcejagd in Meute oder einzeln eingesetzt und erfreut sich unter Liebhabern robuster, ursprünglicher Jagdhunde wieder wachsender Beliebtheit.

Allgemeines Erscheinungsbild

Der Artois Hound ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter Laufhund mit ausgewogenen Proportionen und einem robusten Erscheinungsbild, das ihn als typischen Vertreter der französischen Bracken erkennen lässt. Rüden erreichen eine Widerristhöhe von etwa 53 bis 58 cm, Hündinnen liegen geringfügig darunter. Sein Gewicht bewegt sich im Bereich von 28 bis 35 Kilogramm, wobei der Körper stets muskulös und gut proportioniert erscheint. Der gesamte Körperbau ist solide und funktional – geschaffen für langanhaltende Hetzjagden im Gelände. Der Kopf ist breit mit einem leicht gewölbten Schädel, ausgeprägtem Stop und kräftigem Fang. Die Lefzen sind gut entwickelt, aber nicht übermäßig lose. Die Nase ist groß, schwarz und mit weit geöffneten Nasenlöchern ausgestattet – ein Hinweis auf seine ausgeprägte Spürfähigkeit. Die Augen sind dunkel, ausdrucksstark und zeigen Wachsamkeit und Intelligenz. Typisch für den Artois Hound sind die langen, tief angesetzten Hängeohren, die dicht an den Wangen anliegen. Das Fell des Artois Hounds ist kurz, dicht und liegt eng am Körper an. Es bietet guten Schutz bei wechselnden Wetterbedingungen, besonders bei der Arbeit im Freien. Die Fellfarbe ist typischerweise dreifarbig: Schwarz, Weiß und Loh (tricolor). Der Rücken ist gerade und kräftig, die Brust tief, was auf ein gutes Lungenvolumen und Ausdauer hindeutet. Die Rute ist mittellang, kräftig und leicht gebogen, wird in der Bewegung lebhaft getragen. Die Gliedmaßen sind kräftig, gerade und zeigen gut entwickelte Muskulatur, was eine ausdauernde, gleichmäßige Fortbewegung ermöglicht. Insgesamt vermittelt der Artois Hound den Eindruck eines ausgeglichenen, starken und arbeitswilligen Jagdhundes. Seine äußere Erscheinung spiegelt seine ursprüngliche Bestimmung wider: ein leistungsfähiger, ausdauernder Spürhund mit festem Charakter.

Wesen und Charakter

Artois Hound Charakter
Artois Hound Charakter

Der Artois Hound ist ein typischer Vertreter der französischen Laufhunde – freundlich, intelligent, ausdauernd und mit einem starken Jagdtrieb ausgestattet. In seinem Wesen zeigt er sich ausgesprochen loyal gegenüber seiner Bezugsperson und sucht engen Kontakt zu seinem menschlichen Rudel. Trotz seines ausgeprägten Arbeitsethos und der Leidenschaft für die Jagd ist der Artois Hound im häuslichen Umfeld überraschend ruhig, ausgeglichen und liebevoll – vorausgesetzt, er wird ausreichend beschäftigt. Sein Jagdtrieb ist stark ausgeprägt, was bedeutet, dass er am besten in einer Umgebung aufgehoben ist, in der er seiner Spürarbeit regelmäßig nachgehen kann. Ohne ausreichende Auslastung kann es vorkommen, dass er selbstständig auf Entdeckungstour geht. Daher ist ein gesicherter Garten und konsequente Leinenführung wichtig. Gegenüber Fremden ist er nicht aggressiv, aber wachsam und reserviert. In der Meute oder im Rudel zeigt sich der Artois Hound sehr sozial – er ist verträglich mit Artgenossen und arbeitet gern im Team. Seine Erziehung erfordert Einfühlungsvermögen, Geduld und Konsequenz, da er zwar intelligent, aber auch selbstständig ist. Zwang oder Härte führen selten zum Erfolg, während positive Verstärkung, spielerisches Training und klare Regeln sehr gute Resultate zeigen. Mit Kindern ist er bei guter Sozialisation meist freundlich und geduldig, allerdings sollte der Umgang, wie bei allen Hunden, stets beaufsichtigt werden. Der Artois Hound eignet sich besonders für aktive Halter, die Freude an ausgedehnten Spaziergängen, Fährtensuche oder Mantrailing haben. Als reiner Wohnungshund ist er weniger geeignet, da er viel Bewegung und Aufgaben braucht, um ausgeglichen zu bleiben. Seine Stimme ist wohlklingend, aber bei Unterforderung kann er durchaus lautstark werden. Insgesamt ist der Artois Hound ein treuer, charakterstarker und bewegungsfreudiger Begleiter mit viel Herz – ideal für erfahrene Hundehalter mit Faible für ursprüngliche Jagdhunderassen.

Haltung und Pflege

Die Pflege des Artois Hounds gestaltet sich unkompliziert, was ihn trotz seiner ursprünglichen Bestimmung als Jagdhund zu einem pflegeleichten Begleiter macht. Sein kurzes, glattes Fell benötigt nur wenig Aufmerksamkeit – ein wöchentliches Bürsten reicht in der Regel aus, um abgestorbene Haare zu entfernen und die Hautgesundheit zu fördern. Während des Fellwechsels im Frühling und Herbst kann etwas häufigeres Bürsten sinnvoll sein, um lose Unterwolle zu beseitigen. Dank seiner dichten Haarstruktur bleibt der Schmutz nur selten haften, und nach einem Spaziergang genügt meist ein kurzes Abwischen mit einem feuchten Tuch. Das Baden sollte nur bei starker Verschmutzung erfolgen, um die natürliche Schutzschicht der Haut nicht zu beeinträchtigen. Die Ohren des Artois Hounds verdienen besondere Aufmerksamkeit: Aufgrund ihrer Länge und Hängeform sind sie anfällig für Schmutzansammlungen und Entzündungen. Eine regelmäßige Kontrolle und sanfte Reinigung sind daher essenziell. Auch die Krallen sollten regelmäßig kontrolliert und bei Bedarf gekürzt werden, vor allem, wenn der Hund nicht ausreichend auf harten Untergründen läuft. Die Zahnpflege ist ebenfalls nicht zu vernachlässigen – regelmäßiges Zähneputzen oder geeignete Kauartikel helfen, Zahnstein und Mundgeruch vorzubeugen. Obwohl der Artois Hound ein bewegungsfreudiger Hund ist, neigt er bei unzureichender Aktivität und falscher Ernährung zu Übergewicht. Eine ausgewogene Fütterung in Kombination mit regelmäßigem Auslauf ist entscheidend für seine Gesundheit. Zusätzlich profitieren Artois Hounds von geistiger Auslastung – Nasenarbeit, Fährtensuche oder Apportierspiele fördern nicht nur die Fitness, sondern auch das Wohlbefinden des Hundes. In puncto Pflege gilt der Artois Hound als genügsam, solange seine Grundbedürfnisse ernst genommen werden. Mit ein wenig Routine lässt sich seine Pflege mühelos in den Alltag integrieren, was ihn auch für engagierte Hundeanfänger interessant macht, die Freude an aktiven Rassen haben.

Rassetypische Krankheiten

Der Artois Hound ist eine relativ robuste Hunderasse, die durch ihre ursprüngliche Zucht und den Fokus auf Funktionalität eine gute Konstitution mitbringt. Dennoch gibt es auch bei dieser Rasse gesundheitliche Aspekte, die man als Halter im Blick behalten sollte. Hüftgelenksdysplasie (HD) kann gelegentlich auftreten, insbesondere wenn der Hund überbeansprucht wird oder aus Linien stammt, bei denen nicht ausreichend auf gesunde Gelenke geachtet wurde. Eine regelmäßige Kontrolle des Bewegungsapparates sowie gezielter Muskelaufbau durch Bewegung sind hier wichtige Präventionsmaßnahmen. Wie bei vielen Hunden mit Hängeohren besteht beim Artois Hound ein erhöhtes Risiko für Ohrentzündungen. Durch regelmäßige Reinigung und Kontrolle lassen sich jedoch Infektionen meist gut vermeiden. Übergewicht ist ebenfalls ein Thema, besonders bei Hunden, die nicht jagdlich geführt werden und wenig Bewegung bekommen. Eine ausgewogene Ernährung und tägliche Aktivität sind unerlässlich. In seltenen Fällen können auch erbliche Augenprobleme wie Katarakte oder progressive Retinaatrophie (PRA) vorkommen. Seriöse Züchter lassen ihre Zuchttiere regelmäßig augentierärztlich untersuchen, um genetisch bedingte Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und auszuschließen. Magendrehung (Torsio ventriculi) ist wie bei vielen mittelgroßen bis großen Hunderassen ein potenzielles Risiko – kleinere, mehrere Mahlzeiten am Tag und Ruhe nach dem Fressen können vorbeugen. Hautprobleme sind beim Artois Hound selten, doch bei empfindlichen Tieren können Allergien oder Parasiten zu Juckreiz führen. Eine regelmäßige Fell- und Hautkontrolle hilft, Auffälligkeiten frühzeitig zu erkennen. Insgesamt lässt sich sagen, dass der Artois Hound bei guter Pflege, ausreichend Bewegung und regelmäßigen tierärztlichen Checks ein langlebiger und gesunder Begleiter sein kann. Seine Lebenserwartung liegt im Durchschnitt bei etwa 12 bis 14 Jahren.

Besonderheiten

Der Artois Hound ist eine Rasse mit besonderen Eigenschaften, die ihn von vielen anderen Hunden unterscheidet. Seine Herkunft aus dem französischen Hochadel und seine Geschichte als traditionsreicher Jagdbegleiter machen ihn zu einem echten Kulturgut. Besonders hervorzuheben ist seine außergewöhnliche Spürnase – sie gehört zu den feinsten unter den Laufhunden und ermöglicht dem Artois Hound, Fährten über weite Distanzen mit hoher Präzision zu verfolgen. Diese Fähigkeit macht ihn nicht nur im Jagdbereich wertvoll, sondern auch für die Nasenarbeit im Freizeitbereich, etwa beim Mantrailing oder bei Suchspielen. Eine weitere Besonderheit ist seine Arbeitsfreude: Der Artois Hound will und muss sich bewegen, er braucht Aufgaben, um glücklich zu sein. Dabei zeigt er eine hohe Ausdauer und Konzentration, auch über lange Strecken und Zeiträume hinweg. Sein charakteristisches, wohlklingendes Geläut ist eine Besonderheit, die vor allem bei Jägern geschätzt wird, aber in Wohngebieten zu Problemen führen kann, wenn der Hund nicht ausgelastet ist. Sein dichtes, pflegeleichtes Fell ist unempfindlich gegenüber Witterung und Schmutz, was ihn besonders robust macht. Zudem ist der Artois Hound ein sozialer Meutehund, der sich gut mit Artgenossen versteht und gerne im Rudel lebt. Dies bedeutet allerdings auch, dass er nur ungern allein bleibt und engen Familienanschluss benötigt. Für Halter mit Erfahrung, Zeit und Freude an Bewegung bietet der Artois Hound ein außergewöhnliches Gesamtpaket: einen eleganten, leistungsfähigen und treuen Partner mit tiefen Wurzeln in der europäischen Jagdgeschichte.

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